Jahrzehntelang waren Jingles das unbestrittene Rückgrat der Werbung. Diese eingängigen, eigens komponierten Melodien wie „I’m Lovin’ It“ oder „Like a Good Neighbor, State Farm Is There“ wurden zu kulturellen Fixpunkten und verankerten Markennamen und Slogans durch unermüdliche Wiederholung fest im Alltag. Doch hört man sich heute eine beliebige große Werbepause an, ist ein deutlicher Wandel hörbar. Der ursprüngliche Jingle ist aus den großen, aufwendigen Kampagnen weitgehend verschwunden. Stattdessen nutzen Marken die unmittelbare emotionale Wirkung lizenzierter Popsongs – Lieder, die für ihr Publikum bereits fest im Gedächtnis verankert und bedeutungsvoll sind.
Dieser Artikel untersucht den tiefgreifenden Wandel im Soundtrack der Werbung und analysiert, warum moderne Marken bekannte Hits gegenüber originellen Melodien bevorzugen, die Psychologie hinter diesem Wandel, ikonische Kampagnen, die diesen Trend prägten, und was diese Entwicklung für die Zukunft des Marketings bedeutet. Sie finden außerdem direkte YouTube-Links zu den wegweisenden Kampagnen, die diesen Wandel veranschaulichen.
Das goldene Zeitalter des Jingles: Eine Revolution im akustischen Branding
Von den 1950er- bis in die 1990er-Jahre dominierte der Werbejingle. Es war eine Ära, die von Rundfunkmonopolen geprägt war – eine Handvoll Fernseh- und Radiosender erreichte ein riesiges, gefesseltes Publikum.
Das Erfolgsrezept: Jingles waren kurz, melodisch einfach und textlich repetitiv – entwickelt für das, was Werbetreibende als „Gehirnkleber“ bezeichneten. Ihr einziger Zweck war es, einen Markennamen und einen zentralen Vorteil unvergesslich zu machen.
Akustische Markenidentität: Ein erfolgreicher Jingle war nicht nur Werbung für ein Produkt; er wurde selbst zum Produkt. Das schlichte Vier-Noten-Motiv der NBC-Glocken, der fröhliche Schwung des Oscar-Mayer-Wiener-Songs oder die gefühlvolle Zuversicht der State-Farm-Melodie schufen kraftvolle, unverwechselbare Klangmarken. Sie waren markeneigene Vermögenswerte.
Kostengünstige Wirkung: Die Erstellung eines eigenen Jingles war im Vergleich zu den damals astronomischen Lizenzkosten für einen großen Pop-Hit relativ günstig. Für eine moderate Vorabgebühr konnte eine Marke die Rechte an einer Melodie erwerben und sie jahrelang in allen Medien einsetzen, wodurch sie einen enormen Markenwert aufbaute.
Warum der Jingle verblasst: Der perfekte Sturm aus kulturellen und technologischen Faktoren
Der Niedergang der Jingles ist nicht auf mangelnde Kreativität zurückzuführen, sondern ist eine direkte Reaktion auf grundlegende Veränderungen in der Art und Weise, wie wir Medien und Musik konsumieren.
Kultureller Wandel & Streaming: Das moderne Publikum ist musikbegeistert und hat dank Spotify, Apple Music und TikTok unbegrenzten Zugriff auf Musik. Unsere Ohren sind an aufwendig produzierte, künstlerorientierte Musik gewöhnt. In diesem Kontext kann ein traditioneller, zweckgebundener Jingle simpel, kitschig oder störend wirken – ein Relikt aus einer klanglich weniger anspruchsvollen Zeit.
Die unübertroffene emotionale Kraft bekannter Musik: Ein lizenzierter Popsong ist voller Emotionen, Nostalgie und kulturellem Kontext. Er kann persönliche Erinnerungen (die erste Liebe, ein Roadtrip im Sommer) oder die kollektive Erfahrung einer Generation auf eine Weise wecken, wie es ein neuer Jingle einfach nicht kann. Werbung kann diese tiefgreifende emotionale Wirkung in Sekundenschnelle nutzen.
Globalisierung von Kampagnen: Große Marken starten heute weltweite Kampagnen. Ein Jingle, der oft auf Wortspielen oder lokalen kulturellen Bezügen basiert, kann in der Übersetzung verloren gehen. Ein global bekannter Popsong hingegen überwindet Sprach- und Ländergrenzen und vermittelt eine einheitliche emotionale Botschaft auf allen Märkten.
Der Social-Media-Erfolgsfaktor: Im TikTok-Zeitalter bemisst sich der Erfolg einer Anzeige an ihrer Teilbarkeit. Eine Anzeige, die mit einem angesagten oder beliebten Song unterlegt ist, wird viel häufiger in nutzergenerierten Inhalten, Memes und Playlists geteilt, wodurch Zuschauer zu Multiplikatoren werden.
Warum Marken Millionen in lizenzierte Popsongs investieren
Der Umstieg auf lizenzierte Musik ist eine strategische Entscheidung mit klaren Vorteilen:
Sofortige Wiedererkennung und Aufmerksamkeit: In der heutigen Medienflut sticht ein bekanntes Lied sofort hervor. Es wirkt wie ein akustischer Haken und fesselt die Aufmerksamkeit, noch bevor visuelle Informationen oder ein Nutzenversprechen präsentiert werden.
Tiefe emotionale Verbindung & Markenausrichtung: Durch die sorgfältige Auswahl eines Liedes, dessen Text und emotionale Stimmung zum gewünschten Markenimage passen, können Werbetreibende komplexe Gefühle – Sehnsucht, Rebellion, Freude, Nostalgie – vermitteln, ohne ein Wort zu sagen. Es ist eine Art Kurzform des Storytellings.
Kulturelle Relevanz und Prestige: Die Lizenzierung eines Hits eines angesehenen oder angesagten Künstlers ermöglicht es einer Marke, dessen Coolness-Faktor zu nutzen und sich an aktuellen kulturellen Strömungen zu positionieren. Sie signalisiert, dass die Marke zeitgemäß ist und den Geschmack ihrer Zielgruppe trifft.
Demografisches Targeting: Ein Song aus einer bestimmten Ära kann gezielt die Nostalgie einer bestimmten Zielgruppe ansprechen, sei es die Generation X mit Alternative-Rock der 90er oder die Millennials mit Popmusik der frühen 2000er.
Legendäre Beispiele: Wenn der Song die Werbung prägte
Apple – iPod Silhouettes Kampagne (2000er Jahre)
Apple nutzte nicht einfach nur Popsongs; es machte sie zum Star. Die ikonischen Silhouette-Werbespots, untermalt von mitreißenden Tracks aufstrebender Künstler wie The Caesars („Jerk It Out“) und Jet („Are You Gonna Be My Girl“), zelebrierten die Energie der Musik selbst. Die Kampagne war ein Geniestreich: Sie verkaufte das iPod-Erlebnis, positionierte Apple als Trendsetter und katapultierte die Karrieren der beteiligten Künstler bekanntermaßen nach oben.
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Nike – „Revolution“ von den Beatles (1987)
Dies war ein Wendepunkt, der sowohl die immense Macht als auch die potenziellen Gefahren von Lizenzgeschäften verdeutlichte. Nikes Verwendung von The Beatles' „Revolution“ für eine Air Max-Kampagne löste massive Kontroversen aus (einschließlich einer Klage des Plattenlabels der Band), da damit eine Hymne der Gegenkultur kommerzialisiert wurde. Dennoch beschritt Nike Neuland und bewies, dass ein Popsong beispielloses Aufsehen erregen und das kühne, rebellische Image einer Marke festigen kann.
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Volkswagen – „Pink Moon“ von Nick Drake (1999)
Diese Kampagne für den Volkswagen Passat demonstrierte eindrucksvoll die subtile, emotionale Kraft der Musikauswahl. Der Einsatz von Nick Drakes zuvor unbekanntem, ergreifend schönem Song „Pink Moon“ erzeugte eine Atmosphäre von melancholischer, eleganter Coolness. Die Werbung stellte nicht die technischen Daten des Autos in den Vordergrund, sondern vermittelte ein Gefühl. Sie trug maßgeblich zur posthumen Wiederbelebung von Drakes Karriere bei und bewies damit, dass Werbung eine starke Kraft in der Musikentdeckung sein kann.
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Coca-Cola – "Taste the Feeling" mit Avicii (2016)
Coca-Cola verband gekonnt Altes und Neues. Der bekannte Slogan „Taste the Feeling“ blieb erhalten, doch Superstar-DJ Avicii kreierte mit diesem einen originellen, poppigen Song, der sich nahtlos in die globalen Top-40-Charts einfügte. Diese Strategie sicherte die Markenkonsistenz und erzielte gleichzeitig die kulturelle Relevanz eines lizenzierten Hits.
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Pepsi – "Live for Now" mit Beyoncé (2013)
Pepsis Partnerschaft mit Beyoncé war eine umfassende Promi-Kampagne, in deren Mittelpunkt ihre Musik stand. Mit Hymnen wie „Run the World (Girls)“ und „Grown Woman“ lizenzierte Pepsi nicht einfach nur einen Song, sondern richtete die gesamte „Live for Now“-Kampagne an Beyoncés Persönlichkeit aus Stärke, Kreativität und globalem Einfluss aus und zielte direkt auf ihre riesige, vielfältige Fangemeinde ab.
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Die Risiken des lizenzierten Soundtracks
Diese Strategie birgt erhebliche Risiken:
Unerschwingliche Kosten: Die Lizenzierung eines großen Hits eines Top-Künstlers kann für eine weltweite Kampagne Millionen von Dollar kosten – eine Gebühr, die die Kosten für die Komposition eines originellen Jingles bei Weitem übersteigt.
Fehlende Übereinstimmung zwischen Marke und Song & Gegenreaktion: Wenn die ursprüngliche Bedeutung des Songs mit den Produkt- oder Markenwerten kollidiert (wie Kritiker bei Nikes „Revolution“ argumentierten), kann dies zu Vorwürfen des Zynismus und der leeren Kommerzialisierung führen und die Glaubwürdigkeit der Marke schädigen.
Überbeanspruchung & Verlust der Einzigartigkeit: Ein Lied, das in mehreren Werbespots verwendet wird, kann zum Klischee werden, und die Marke riskiert, in Vergessenheit zu geraten, wenn das Lied die Produktbotschaft überschattet.
Fehlende Eigentumsrechte: Anders als bei einem Jingle baut eine Marke mit einem lizenzierten Song keinen langfristigen Markenwert auf. Sobald der Vertrag ausläuft, verschwindet die Musik – und das damit verbundene Gefühl – wieder.
Die Zukunft: Hybridstrategien und neue Horizonte
Die Zukunft der Werbemusik ist keine einfache Wahl zwischen Jingles und Popsongs, sondern eine Mischung aus beidem:
Maßgeschneiderte Remixe & Kollaborationen: Marken werden zunehmend einzigartige Remixe von populären Songs in Auftrag geben oder direkt mit Künstlern zusammenarbeiten, um originelle Tracks zu kreieren, die den Glanz und die Anziehungskraft von Popmusik besitzen, aber exklusiv der Marke gehören (z. B. Lil Nas X für Pepsi).
Förderung aufstrebender Künstler: Die Zusammenarbeit mit aufstrebenden Musikern ist eine kosteneffektive Möglichkeit, Zugang zu frischem, authentischem Sound zu erhalten und neue Fangemeinden zu erschließen. Sie bietet dem Künstler wichtige Aufmerksamkeit – ein für beide Seiten vorteilhaftes Modell.
Der Aufstieg KI-generierter Musik: Künstliche Intelligenz könnte schon bald die Erstellung erschwinglicher, personalisierter Soundtracks ermöglichen, die die stilistischen und emotionalen Qualitäten populärer Genres ohne Lizenzgebühren imitieren, was möglicherweise zu einer neuen Form von „Synthetic Pop“ für die Werbung führen könnte.
Interaktive und plattformspezifische Kampagnen: Die Anzeigen werden von Anfang an speziell für TikTok oder Instagram Reels konzipiert und verwenden Ausschnitte von Songs, die bereits auf der Plattform im Trend liegen, um nutzergenerierte Herausforderungen und Duette anzuregen.
Abschluss
Der klassische Werbesong ist zwar nicht ausgestorben, hat aber seinen Platz im hart umkämpften globalen Markenmarketing verloren. Der Trend zu lizenzierten Popsongs ist eine logische Anpassung an eine fragmentierte, von Streamingdiensten dominierte Welt, in der emotionale Bindung und kulturelle Relevanz von größter Bedeutung sind. Die bekanntesten Werbespots von heute preisen ein Produkt weniger an, sondern inszenieren vielmehr ein bestimmtes Gefühl. Sie nutzen die vorgefertigte emotionale Struktur eines beliebten Songs, um eine unmittelbare und starke Verbindung zum Konsumenten herzustellen.
Obwohl die Risiken hinsichtlich Kosten und Fehlkalkulation hoch sind, ist der Gewinn – eine Werbung, die weniger als Störung und mehr als geschätztes Kulturgut wahrgenommen wird – für große Marken zu verlockend, um sie zu ignorieren. Der Soundtrack des Marketings hat sich von einem eigens kreierten Ohrwurm zu einem gemeinsamen emotionalen Erlebnis entwickelt und beweist damit, dass in der modernen Werbung manchmal der wirkungsvollste Ton derjenige ist, der bereits bekannt ist.
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